Bericht Äthiopien - D. Kliehm

Kurzbericht von Doris Kliehm über ihre 23. Reise im Februar 2018

nach Äthiopien, eines der ärmsten Länder der Welt

 

Die Sonne schien warm vom wolkenlosen, blauen Himmel in Addis Abeba/Äthiopien, als ich im Januar bei meiner 23. Reise dort ankam.

Ich freue mich immer sehr, meine vielen Kinder und Familien nach einem langen Jahr gesund wiederzusehen.

Es hat sich nicht viel geändert. Keine meiner unterstützten Familien hat es inzwischen zu Wohlstand gebracht, alle leben und überleben dank unserer Hilfe einigermaßen menschenwürdig, das heißt, oft in einer dunklen Lehmhütte mit Wellblechdach, einem schlichten Bett für Mutter und Kind oder auch für drei Geschwister, mit nur einer Glühbirne im Raum, die nur wenig Licht spendet, Wasser und die Toilettengrube befinden sich außerhalb der Hütte.

 

Ich war glücklich, dass mich trotz der zahlreichen Spendenaufrufe für Syrien und andere Kriegs- und Krisenländer meine treuen Helferinnen und Helfer nicht im Stich gelassen haben. Ich durfte vielen Menschen in Not, wenn auch leider nicht allen, die es nötig gehabt hätten, zur Seite stehen.

 

Erschütternd ist es aber auch mit anzusehen, wie von der Regierung ganze Bezirke der armen Hütten abgerissen werden, Bagger und schweres Gerät walzen gnadenlos die Behausungen nieder, und die Menschen versuchen, in verbliebenem 'Gemäuer' unter Zeltplanen und Pappkartons weiter zu leben. Wohin? Dazwischen hängt Wäsche, wie z.B. Babykleidung im Staub, um in der Sonne zu trocknen, gekocht wird auf wenigem Brennholz, das z.B. von alten Türen übrig geblieben ist. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, hier zu fotografieren, es sah oft schlimmer aus, als bei uns im Krieg nach den Bombenangriffen.

 

Das ganze Land ist in Aufruhr, die Bevölkerung unzufrieden mit der Regierung, die Korruption steht an erster Stelle, obwohl das ja nicht zugegeben wird, und die einfachen Menschen müssen darunter leiden, weil keine offizielle Hilfe von staatlicher Seite hier ankommt.

 

Da ist es ein Trost zu wissen, dass unsere Spenden dort ankommen, wo sie hingehören, nämlich bei den Ärmsten der Armen. Mütter wie Kinder sind oft unterernährt, was natürlich auch Krankheiten wie TBC, Typhus und Cholera nach sich zieht.  Die Abwehrkräfte sind schwach!

 

Die Landbevölkerung leidet unter der Trockenheit und die Menschen in der Stadt unter den hohen Preisen. Kostete der 100 kg-Sack Teff vor einem Jahr noch 2.500,-- Eth. Birr = ca. 125,-- €, so musste man in diesem Jahr 3.000,-- ETB dafür bezahlen. Das Getreide Teff wird zum Injerra backen benötigt, den Fladen, so wichtig wie unser Brot. Für Obst, Gemüse oder Fleisch reicht es schon lange nicht mehr.

 

Im Kindergarten der Meserete Kristos Church (MKC)  konnte ich wiederholt beobachten, dass die Kinder in ihren mitgebrachten Plastik­töpfchen jeden Tag das gleiche  Mittagessen (kalt) in sich hinein löffeln müssen, Spaghetti, Reis oder Injerra mit Tomatensoße. Wenigstens einmal sollten die Kleinen den Genuss einer Banane erleben dürfen. 

 

Ich kaufte also zusammen mit meinem treuen Helfer Abebe bei einem Straßenhändler 25 kg Bananen, brachte diese zum KG und mit Hilfe der Kindergärtnerinnen wurden die Früchte gewaschen, geteilt und jedem Kind eine halbe Banane geschenkt. Das erinnerte mich an die Nachkriegszeit, als ich mit 6 Jahren auch die erste halbe Banane genießen durfte. Doch hier ist das Obst in Hülle und Fülle zu haben, für uns auch noch fast zu einem Schnäppchenpreis, doch für die arme Bevölkerung unerschwinglich.

 

Auch der Besuch in dem von uns unterstützten Waisenhaus hat mich sehr berührt. Am Abend saßen die 85 Kinder zusammen zum Gebet, danach gab es noch eine Tasse Tee und eine Scheibe Brot und dann ging es ab ins Bett, um für die Schule am nächsten Morgen fit zu sein.

 

Elsa, die treue Seele der MKC, ging wieder mit den bedürftigsten Kindern Kleidung im Mercato-Markt einkaufen, wie schnell ist ein paar Schuhe bei den Kindern verwachsen? Doch dieses eine Paar muss ein Jahr lang halten, ob es regnet oder hochsommerlich heiß ist, notfalls wird vorne die Kappe abgeschnitten, dann geht es nochmal für einige Zeit. Wie viele Schuhe haben wir im Schrank?

 

Und auch 1.025 kg Teff wurden wieder an die Ärmsten verteilt. Ich könnte noch viele Beispiele unserer Hilfe nennen, um damit deutlich zu machen: Wir sind noch lange nicht am Ende der Notwendigkeit angekommen. DANKE an alle Spenderinnen und Spender!!

 

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott uns alle in seiner gütigen Hand.