Neue Lektionare – neue Einheitsübersetzung

Mit dem 1. Fastensonntag verwenden wir in unseren Sonntagsgottesdiensten das neue Lektionar, das die Lesungen und Evangelien in der Fassung der revidierten Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift von 2016 enthält.

Beim Hören der Texte werden Sie feststellen, dass viele Formulierungen gleichgeblieben sind. Dennoch wird das biblische Wort auch immer wieder in veränderter Form zu Sprache kommen.

Den Bearbeitern der Einheitsübersetzung ging es neben der Berücksichtigung von bibelwissenschaftlichen Erkenntnissen auch darum, den Erfordernissen des interreligiösen Dialogs und der Geschlechtergerechtigkeit zu entsprechen.

Vor allem waren die Übersetzerinnen und Übersetzer darum bemüht, den besonderen Stil der einzelnen biblischen Bücher erlebbar zu machen. Dabei orientiert sich die Revision der Einheitsübersetzung stärker an der Sprache des Urtextes. Sprachliche Glättungen aus der Version von 1980 werden bewusst wieder „aufgerauht“. Zum Beispiel „wird  Maria ein Kind empfangen“ (Lk 1,31/EÜ 1980). In der neuen Version wird sie ganz einfach schwanger. Ferner übernimmt die neue Version der Einheitsübersetzung die urtextlichen „Markierungsworte“, wie zum Beispiel das eher aus der Luther Übersetzung bekannte „und siehe“.         

Die beiden anderen Sonntagslektionare mit der neuen Einheitsübersetzung werden jeweils zu Beginn des entsprechenden Kirchenjahres herauskommen. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wir hören die liturgischen Texte aus der Bibel nun in einer etwas veränderten Übersetzung, die Textabschnitte, die den einzelnen Sonntagen zugeordnet sind (Leseordnung), sind aber gleich geblieben. An Werktagen werden wir die Lesungen noch eine Weile nach der Einheitsübersetzung von 1980 hören.

Übrigens: Der Begriff „Einheitsübersetzung“ bezieht sich darauf, dass hier ein Text vorliegt, der „einheitlich“ für alle Diözesen des deutschen Sprachraums verbindlich ist und daher in der Liturgie, im Unterricht und im Hochschulbereich benutzt werden soll. Leider gab es bei der Revision der Einheitsübersetzung in Gegensatz zur Arbeit an der Fassung von 1980 keine offizielle Mitarbeit der evangelischen Kirche. Diese Partnerschaft zerbrach leider an kirchenpolitischen Eitelkeiten auf beiden Seiten. 

Das neue Lektionar hat auch einen neuen Einband: Die goldene Farbgebung unterstreicht, dass das Wort Gottes der Schatz der Kirche ist. Die Linien stellen die Dynamik des Wortes da, das Christus selber ist: Es kommt aus der Unendlichkeit und kehrt dorthin zurück, die Erde aber ist der Raum, wo es erklingt.

 

So möge die neue Einheitsübersetzung uns gerade im Hinblick auf Ostern „den Sinn für das Verständnis der Schriften“ (Lk 24,45) öffnen.

(Pfr. H.-J. Meiller)