Besuch bei der Ahmadyya-Gemeinde

Franz von Assisi tat es, Papst Franziskus tut es – und auch die Pfarrei St Katharina von Siena Frankfurt geht diesen Weg: sie suchen den interreligiösen Dialog mit dem Islam. Anläßlich der historischen Begegnung von Franz von Assisi mit dem Sultan von Ägypten vor genau 800 Jahren hat Papst Franziskus in diesem Jahre angekündigt, den Dialog und die gegenseitige Kenntnis zwischen den Gläubigen beider Religionen zu fördern.

Christen und Muslime sollen sich als Geschöpfe des einen Gottes und Kinder eines gemeinsamen Vaters gegenseitig als „Brüder und Schwestern“ anerkennen. Während seiner Reise nach Marokko Ende März rief Papst Franziskus ebenfalls zu mehr Dialog zwischen Christen und Muslimen auf.

 

Eine ca. 15-köpfige Gruppe, überwiegend Mitglieder von St. Katharina von Siena, aber auch Mitglieder der Glaubensgemeinschaft aus der Umgebung, machte sich am 2.Mai auf und stattete der Ahmadyya-Muslim-Jamaat in Niedereschbach einen Besuch ab. Dabei waren unser leitender Pfarrer Hanns-Jörg Meiller und die Vorsitzende des PGR Steffi Seubert. Organisiert hatte den Besuch die Sozialarbeiterin der Pfarrei, Barbara Steffan.

 

Überraschend ging es gleich in die innersten Bereiche der Religion: die Besucher durften beim Gebet der Männer in der Moschee anwesend sein. Anschaulich und hautnah erlebten wir,  wie diese sich, einer neben dem anderen, niederwarfen, die Anrufung Allahs praktizierten und auf Deutsch gelehrt wurden, Anteil und Mitgefühl am Leben der Nachbarn zu haben, Gutes zu tun um Allahs willen, Güte zu praktizieren, ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten.

 

Die jungen Imame Adil Khalid und Aniq Ahmed – beide haben eine 7-jährige Ausbildung hinter sich – erläuterten uns Besuchern dann anhand von Schautafeln die Grundzüge des Islam und die Besonderheiten ihrer Religionsrichtung. Die islamische Ahmadyya-Gemeinschaft entstand um 1880 in Indien und hat viele Anhänger in Pakistan, Indien und Afghanistan. Sie gilt innerhalb des Islams vielen als Abweichung, ihre Anhänger werden deshalb in einigen muslimischen Ländern verfolgt und getötet. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen muslimischen Glaubensrichtungen ist die Überzeugung von einem Mahdi, einem „Messias“, der wiederkommen wird.

 

Beim anschließenden Rundgang durch die logistisch perfekt durchorganisierte Deutschlandzentrale der Ahmadyya erhielten die Besucher einen Eindruck von den vielerlei Aktivitäten der Religionsgemeinschaft. So gibt es zum Beispiel eine Hotline, die 24 Stunden besetzt ist und bei der man Fragen nach dem Islam stellen kann. Bei der nachfolgenden Diskussion waren auch Vertreterinnen der Frauenorganisation der Ahmadyya-Gemeinde, die seit 2013 in Hessen als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt ist, anwesend.

 

Kritische Fragen wurden nicht ausgespart. Natürlich kam die „Kopftuchfrage“ und es wurde die Rolle der Frau im Islam hinterfragt. Das eventuelle Gewaltpotential des Islam und die Begriffe „Dschihad“ und  „Missionierung“ wurden angesprochen. Aber auch theologisch tiefschürfende Fragen wurden den Imamen von den Besuchern gestellt so diejenige nach dem Verständnis von „Propheten“ oder des „Messias“, das ein völlig anderes ist als im christlichen Glauben. Vielen war zum Beispiel nicht bekannt, daß es auch im Islam eine mystische Richtung gibt. Die Gastgeber gingen geduldig und ausführlich auf die vielen Fragen der Besucher ein und sorgten mit Getränken und Gebäck auch für deren leibliches Wohl.

 

Insgesamt wurde in den beinahe drei Stunden der Begegnung deutlich, daß trotz des äußerlich weitgehend toleranten Zusammenlebens in einem multikulturellen Umfeld viel Fremdheit und offene Fragen existieren. Entscheidend ist jedoch auch hier wieder die persönliche Begegnung. Die anwesenden Mitglieder der Pfarrei  könnte man -  ganz im Sinne von Papst Franziskus – als Botschafter und Repräsentanten des christlichen Glauben für den interreligiösen und interkulturellen Dialog sehen. Wer selber eine stabile Glaubensgrundlage hat, ist anscheinend auch offener für den Austausch und die Begegnung mit anderen Religionen, auch wenn dort manches fremd erscheint – was aus Sicht der anderen Religionen für den christlichen Glaubens ebenfalls gelten dürfte.

 

Ein Grundstein für den weiteren Dialog ist gelegt. Auf gegenseitigen Wunsch soll der Austausch fortgesetzt werden.  Die Vertreterinnen der Frauenorganisation „Lajna Imaillah“ und interessierte Frauen aus der Besuchergruppe wollenweitere Treffen vereinbaren.

 

Barbara Steffan

St. Lioba 3.5.2019