Kurzbericht von Doris Kliehm über ihre 24. Reise im Januar 2019 nach Äthiopien, eines der ärmsten Länder der Welt

Kein Jahr ist wie das andere, und mein guter Stern strahlte nicht so hell, wie in den Jahren zuvor, dennoch habe ich versucht, wieder Hoffnung und Licht in viele Familien und Hütten zu bringen, - mit Ihren/Euren Spenden. DANKE!

 

Doch das Problem war nicht die Spendenbereitschaft, die Gott sei Dank wieder erfreulich gut war, sondern verschiedene Tatsachen, die ich hinnehmen musste, und die mir schon etwas die Freude an meinem Aufenthalt genommen haben.


Den vollständigen Artikel finden Sie am Ende des Beitrags zum Download


 

 

Als der Flieger nach sechseinhalb Stunden Flug mit lautem Gerumpel in Addis Abeba gelandet war, dauert es ja immer noch eine gefühlte Ewigkeit, bis er im Schneckentempo zwischen den dürren Grasflächen rollend, endlich das Flughafengebäude erreicht hat.

 

Die Sonne ging gerade auf und Abebe, mein guter Freund und Begleiter seit vielen Jahren war auch wieder da, leider nicht so fit, wie ich nach seiner Rücken-OP im letzten Jahr erwartet hatte.

Es ist schon ein seltsames Gefühl, dieses 'Nachhausekommen', auf dem Weg zu meiner Unterkunft in der Schwedischen Mission kam es mir vor, als sei ich niemals von hier weggewesen. Der Blumenstrauß stand auf dem Tisch in meinem schlichten Zimmer, Yirga, der Gärtner, stand wieder vor meiner Tür mit frisch gepflückten Pflaumen in beiden Händen, vom Schulhof der Mekane Yesus Schule, die in unmittelbarer Nähe ist, drang lautes Lachen und Schreien als Begleitung beim Fußballspielen zu mir herüber, alle freuten sich über meine Ankunft und vor meiner Hütte blühten im Januar die Rosen, es ist Sommer!

 

Die Stimmung im Land hat sich etwas gebessert, nachdem ein neuer Premierminister gewählt wurde, Dr. Abiy Ahmed, auf den man große Hoffnungen setzt, doch auch er kann nicht von heute auf morgen dem Land zu Reichtum und sozialer Gerechtigkeit verhelfen.

 

Die Trockenheit und die damit verbundene schlechte Ernte, die hohen Preise, besonders für das Getreide 'Teff', sowie die Mieten, selbst für einfachste Lehmhütten ohne Strom und Wasser machen große Sorgen. Ich hatte Pech und doch auch einen Schutzengel an meiner Seite:

Am zweiten Tag nach meiner Ankunft bin ich böse gestürzt, hatte zum Glück nichts gebrochen, doch ein dunkler Bluterguss zierte nun die nächsten 2 Wochen mein Gesicht. Das war zwar ziemlich peinlich, hielt mich aber nicht davon ab, meine vielen Kinder und Familien zu treffen.

 

Mit mir war von nun an Elsa, die Gemeindesekretärin der MKC, da Abebe sich noch schonen sollte und ihm zuviel Auto fahren verboten war.

 

Der Jubel der 130 Kinder bei meinem Besuch im Kindergarten der Meserete Kristos Church (MKC) hat mir richtig gut getan. Ich hatte in diesem Jahr für alle Kinder im Supermarkt (auch den gibt es nun inzwischen in Äthiopien – aber nicht für die arme Bevölkerung) einen kleinen Schokoriegel erstanden, der ist zwar nicht so gesund wie die Bananen vom letzten Jahr, doch für die Kinder war es ein wenig wie Weihnachten, denn hier hat niemand Taschengeld, um sich am Wasserhäuschen (Kiosk) mit Süßigkeiten einzudecken. Ein fröhliches 'amesagenallo' – danke, war mein Lohn für diese kleine Überraschung.

 

Mit 55.000,-- Birr (ca. 175,-- € der Spenden) werden hier die Ärmsten mit Mittagessen versorgt und für 350,-- € konnten warme Decken für die Kleinsten gekauft werden, damit sie beim Mittagsschlaf nicht frieren müssen.

Der Kindergarten ist wahrlich ein Segen, denn er dient schon als Vorstufe für die Schule und gibt den Kleinen die Chance, lesen und schreiben zu lernen, um nicht per Fingerabdruck unterschreiben zu müssen, wie viele ihrer Mütter.

 

Auch die Unterstützung des Waisenhauses ist immer ein dringendes Anliegen, damit 85 Vollwaisen nicht als Straßenkinder leben müssen. Moses und Habesha, die beiden jüngsten Buben, wichen nicht von meiner Seite, obwohl sie mich ein Jahr lang nicht gesehen hatten.

 

Viele alte, oft kranke Menschen ohne Angehörige überleben nur mit unseren Spenden. Der Staat hilft nicht – ob sich das jemals ändern wird?

 

Wir haben wieder 1.125 kg Teff verteilt, Kleidung für 32 der ärmsten Kinder gekauft, Schulgeld und Studiengebühren bezahlt, ein großes Dankeschön für all die Hilfe!

 

Ich habe in diesem Jahr nicht die hohen Berge und die weiten Täler gesehen, denn die Gesundheit geht vor und die Erinnerung bleibt.

Doris Kliehm


Download
Kliehm Äthiopien Vollständig.pdf
Adobe Acrobat Dokument 370.5 KB