Ein österliches Potpourri aus den Gemeinden

Corona Beschränkungen hin oder her – in unserer Pfarrei St. Katharina von Siena geht trotzdem was. Holen Sie sich hier Anregungen und Impulse von anderen Gemeindemitgliedern, erfahren Sie mehr von Rezepten und Bräuchen aus anderen Ländern und früheren Zeiten.

Vielen Dank allen, die sich beteiligt haben. Es ist ein buntes Potpourri an Gedanken, Anekdoten und Vorschlägen zusammengekommen.

Der Ortsausschuss von St. Peter und Paul wünscht Ihnen allen eine schöne Einstimmung auf Ostern.

 


Irakische Plätzchen

 

Für den Teig das Mehl (500 Gramm) mit Salz (eine Prise) und Backpulver (1 kleine Tüte) durchsieben, die weiche Butter (300 Gramm), das Eiweiß (von einem Ei) und das Wasser (3 Esslöffel) hinzufügen. Den Teig nun mit der Hand oder mit den Knethaken kneten, anschließend 30 Minuten ruhen lassen.

Für die Nussfüllung die 200 Gramm Walnüsse zerkleinern und mit Zucker (100 Gramm) und Hel (1 Esslöffel Kardamom) mischen.

Für die Dattelfüllung die 200 Gramm Datteln entkernen und mit Butter (10 Gramm) in einer Pfanne leicht erwärmen, die gehackten Walnüsse hinzufügen.

Die Hälfte des Teiges mit dem Nudelholz dünn ausrollen. Die Dattelmasse darauf mit einem Löffel gleichmäßig verteilen. Den Teig wie eine Biskuitrolle einrollen und diese mit einem Messer in 2 Zentimeter Abständen in Scheiben schneiden. Die Plätzchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Die andere Hälfte des Teiges ebenfalls mit dem Nudelholz dünn ausrollen und dann mit einem Glas Teigkreise ausstechen. Mit der Nussmasse füllen und halbmondförmig zusammenklappen, die Ränder festdrücken. Die gefüllten Plätzchen ebenfalls aufs Backblech legen und alle mit Hilfe eines Pinsels mit dem Eigelb bestreichen. Wer möchte, kann noch etwas Sesam auf die Plätzchen streuen.

Bei 180°C im Ofen 15-20 Minuten backen.

 

Lieben Gruß

Eva Shamu


Mein Osterzweig

 

Nach meiner Firmung (die ja nun schon etwa mein halbes Leben her ist) habe ich Motive aus der Kirche St. Peter und Paul auf ausgeblasene Eier gemalt. Damals wollte ich damit Eier gestalten, die darauf hinweisen, worum es eigentlich an Ostern geht und zugleich mit dem Ort in Verbindung stehen, an dem ich mich zuhause fühle.

In diesen Zeiten empfinde ich diese Motive als besonders tröstlich. Zugleich war es Zeit, den Osterzweig etwas zu erweitern, da die Pfarrei seitdem ja gewachsen ist.

 

Viele Grüße

Sina Oetken


Der April-Fisch

 

Liebe Kinder, Freunde und Gemeindemitglieder!

Wir feiern Ostern immer mit einigen deutschen und französischen Bräuchen und würden Euch gerne erzählen, wie man Ostern in Frankreich feiert.

In Frankreich ist Ostern ein wichtiges Fest auch, wenn in Frankreich z.B. der Karfreitag mit Ausnahme des Elsass kein Feiertag ist.

In Frankreich wünscht man sich zu Ostern „Joyeuses Pâques“ denn so nennt man Ostern in Französisch. Und anders als in Deutschland kennen die Kinder in Frankreich keinen Osterhasen. Denn in Frankreich werden die Ostereier und Naschereien von den „Glocken“ gebracht.

Wie das kommt? Ganz einfach: Die Kirchenglocken läuten in Frankreich das letzte Mal am Gründonnerstag. Dann schweigen sie bis Ostersonntag, denn sie begeben sich auf den Weg nach Rom, um den Ostersegen zu empfangen. Erst am Ostersonntag kehren sie zurück und auf ihrem Weg bringen Sie neben dem Segen noch Süßigkeiten mit, die sie im ganzen Land verteilen. Und weil in Frankreich die Naschereien von den Glocken gebracht werden, haben sie auch die Form von Glocken und nicht die Form von Osterhasen J

Das eigentliche Symbol für Ostern ist jedoch in Frankreich der „Fisch“, der sogenannte „Poisson d‘Avril“ (April Fisch). Zwar kommt der Poisson d’avril eigentlich immer erst am 1. April (als Aprilscherz) doch in Frankreich basteln Kindern zu Ostern immer den sogenannten Poisson d’avril (egal ob Ostern nun vor oder nach dem 1. April stattfindet) und versuchen jedem Erwachsenen in der Familie am Ostersonntag einen solchen Fisch unbemerkt auf den Rücken zu kleben J. Vielleicht habt Ihr ja Lust das auch mal zu probieren. Basteln könnt Ihr so einen Poisson d’avril ganz einfach mit einigen Papptellern und Filzstiften:

Wir wünschen Euch/Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest.

Maxime, Amélie, Muriel & Oliver Schulte


Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit.

 

Das wird so bleiben, auch wenn wir in diesem Jahr unter Corona Bedingungen das Osterfest begehen müssen. In normalen Zeiten ist Ostern ein wunderbares Fest. Christen in aller Welt feiern die Auferstehung Jesu Christi und damit ein zentrales Motiv unseres Glaubens. Dieses Jahr herrscht eine beklemmende Stimmung, trotz aller Lockerungen. Die Maskenpflicht drückt auf die Seele. Man kann dahinter viel schlechter erkennen, ob ein Mensch lacht oder ob er traurig ist. Einkaufs-bummel mit Maske machen schlicht keinen Spaß. Fußballspiele vor leeren Rängen muten schräg an. Im Biergarten, wenn er denn geöffnet ist, auf Abstand zu sitzen, die persönlichen Daten angeben zu müssen – ein merkwürdiges Gefühl. Dazu haben viele Sorgen um ihre Zukunft. Was kann man dagegen tun? Vielleicht hilft, einfach einmal aufzuschreiben, was gut ist in meinem Leben z. B. dass wir in einem Land wie Deutschland leben. Dass wir größtenteils eine liebe Familie haben und gute Freunde. Dass wir nicht hungern müssen oder verfolgt werden wie so viele Menschen in anderen Ländern. Oder man überlegt sich: Was würde uns gerade richtig guttun? Vielleicht gemeinsam, wenn es denn gesundheitlich möglich ist, spazieren zu gehen. In einer Kirche, weil es momentan nicht anders möglich ist, sich anzumelden und einen Gottesdienst zu feiern. Vielleicht erinnert man sich an frühere Zeiten. Da wurden Ostereier im Garten versteckt, jedenfalls bei uns zu Hause, und man suchte sie und wer die meisten gefunden hatte, dem wurde auch noch ein Osterhase oder eine Tafel Schokolade geschenkt. Darüber hat man sich natürlich gefreut und man genoss, wenn man nicht zu geizig war, die süßen Speisen gemeinsam. Traditionell wurden die Ostereier am Ostermorgen verschenkt, als Zeichen der Auferstehung Jesu Christi. Deshalb gibt es auch heute noch bei uns Ostereier und wir sind dankbar, dass Gott der Vater, seinen Sohn hat auferstehen lassen.

 

Ein gesegnetes Osterfest wünschen Ihnen von Herzen

Hildegard und Hans-Joachim Fischer



Dorfgeschichten

 

Familienleben 1948 - 1956

Wir Nachkriegskinder kannten meist unseren Papa nicht. Gezeugt beim letzten Heimaturlaub unserer Väter, lebten wir auf einem Dorf nahe Frankfurt bei Verwandten, denn Mama ging "in der Stadt" zur Arbeit. Wir sahen sie höchstens am Wochenende, hohen Feiertagen oder in der Ferienzeit. Wenn wir nach dem Papa fragten, gab es drei Aussagen zur Auswahl: "Im Krieg gefallen" war die schlimmste, noch Hoffnung gab es bei "vermisst" oder "in Kriegsgefangenschaft". Aber wir waren nicht traurig, "traumatisiert" würde man heute sagen, denn in unserer großen Familie gab es liebevollen Ersatz.

Neben unserer "Mutti" hatten wir die Oma und unsere kinderlose Tante mutierte zur "Mami". Die vorösterliche Zeit war auf dem Dorf strenger, aber auch aufregend und geheimnisvoll. Musik, Tanz und Kino war verboten.  Fleisch und Wurst gab es von Aschermittwoch bis Ostern nur an Sonntagen, aber da auch nur spärlich. Wir vermissten das nicht, denn Fleisch und Wurst waren in der Nachkriegszeit sowieso ein rares Gut.

Was wir aber vermissten, war das Bonbon im Dorfladen, das Plätzchen in der Bäckerei und die Scheibe Gelbwurst vom Metzger, drei Dinge, die Kindern sonst ganz selbstverständlich über die Theke gereicht wurden, wenn die Erwachsenen uns zum Einkaufen schickten.

Wir trösteten uns damit, dass ja "der Osterhase" ganz bestimmt an Ostern ganz viele Süßigkeiten ins Osternest legen würde.

 

Das Osternest

Der Osterhase unserer Kindheit war anspruchsvoll. Er versteckte seine Eier zwar raffiniert im großen Nutzgarten direkt am Haus, aber Leckereien wie Fondant-Eier mit Schoko-Boden, Waffeleier, flüssig gefüllte Zuckereier, Schokoladenhasen, die brachte er nur dann, wenn wir ihm ein schönes Nest bauten. Wir bauten mit Feuereifer: kleine Spaltholzscheite, die normalerweise dazu dienten, Feuer anzuzünden, steckten wir aufrecht in die Gartenerde, bildeten damit ein rundes "Nest", das einen breiten Eingang bekam, damit der Hase leicht hineinfand. Wir polsterten es mit Holzwolle und Moos aus und legten etwas Gras, frühe Kräuter oder eine kleine Scheibe Karotte hinein. Und voll Spannung kontrollierten wir jeden Tag dieses Nest. Manchmal fanden wir eine kleine Feder. Wenn wir ein kleines Fellbüschel fanden und die Karottenscheibe war weg, waren wir glücklich, denn jetzt wussten wir:  "Der Has' " kontrollierte, ob wir ordentlich gearbeitet hatten. Er würde an Ostern wieder kommen und unser Nest mit vielen Naschereien füllen.

 

Fastenzeit "katholisch"

40 Tage ohne Fleisch und Wurst, das war vor Ostern selbstverständlich. Ganz besondere Fastengerichte aber hatte die Karwoche.  Gründonnerstag gab es bei den Katholiken Spinat, Salzkartoffeln und gebackenen Fisch, denn Grüne Soße war vor den Toren Frankfurts noch unbekannt.  Karfreitag und Karsamstag gab es Gerichte, die nur einmal im Jahr auf den Tisch kamen. Heute würde man sie als Süßspeisen servieren. Ich freute mich schon seit Palmsonntag darauf, denn Karfreitag gab es gab es Dampfnudeln mit Vanillesoße. Ich durfte mich nur nicht so deutlich freuen, denn es war ja eine Fastenspeise.  Am "Karsamstag", der heutzutage allgemein "Ostersamstag" heißt, aßen wir "Arme Ritter" mit Apfelweinschaumsoße. Dabei wurde streng darauf geachtet, dass das Mittagessen erst nach 12.00h auf den Tisch kam, denn da endete die Fastenzeit. Das war sehr wichtig, denn die Soße enthielt ja Alkohol.

 

Fastenzeit "evangelisch" und "schlitzohrige Rivalitäten"

Bei den evangelischen Christen war einiges gleich, anderes verschieden. Da gab es den Fisch - mit wesentlich aufwendigeren Rezepten- am Karfreitag, denn das war für die "Evangelischen" der höchste Feiertag der Osterzeit. Eine ruhige, festliche Atmosphäre

drang aus den Häusern der evangelischen Nachbarn. Man hörte klassische Musik, meist Oratorien, die Passion Christi oder kirchlichen Gesang.

Die Katholiken ärgerten sich, denn Musik in der Fastenzeit, noch dazu am Todestag Christi, das gehörte sich einfach nicht. Manche Nachbarn behaupteten, es wäre erlaubt, denn Klavier würde an diesem Tag nur auf den schwarzen Tasten gespielt. Trotzdem: die Katholiken schüttelten die Köpfe.

Denn bei ihnen war der Karfreitag ein "Rüsttag". Es wurde der Hof und die Straße gefegt, die Böden gescheuert und gebohnert, die Messingtürschilder geputzt, die Betten und die Teppiche geklopft, kurzum:  Die "erhabene Ruhe" des höchsten evangelischen Feiertages war empfindlich gestört. Jetzt schüttelten die evangelischen Christen die Köpfe. Die Katholiken grinsten heimlich. Aber eines hatten beide gemeinsam: Das ganze Dorf roch einträchtig zwei Tage lang nach Fisch.

 

 

Rezepte

 

Dampfnudeln

Nach dem üblichen Rezept einen süßen Hefeteig herstellen, davon tennisballgroße Kugeln abstechen und an einem warmen Ort nochmals aufgehen lassen. Über einen großen Topf mit heißem Wasser einen Siebtopf setzen, dessen Boden einölen, darauf die Hefekugeln mit Abstand setzen, Deckel auflegen und garziehen lassen. Geht auch im Backofen: großes tiefes Blech mit heißem Wasser auf die untere Schiene setzen, gut gefettete Auflaufform mit den Hefekugeln auf die Schiene darüber setzen, im Dampf garen. Warm mit Vanillesoße servieren.

 

"Arme Ritter"

Alte Brötchen                                   Von alten, ganz trockenen halbierten Brötchen die Kruste in

1 L Milch                                           einen tiefen Teller als Paniermehl abreiben.

1 Esslöffel Vanillezucker                Die Milch mit einem rohen Ei und dem Vanillezucker

1 Ei                                                    schaumig schlagen, die Brötchenhälften in der Vanillemilch

Fett, Butter oder Öl                        einweichen, leicht ausdrücken und in dem Paniermehl wälzen.

                                                          In einer großen Pfanne Fett, Öl oder Butter erhitzen, die

                                                          Brötchenhälften darin von allen Seiten knusprig goldbraun

                                                           backen. Noch warm mit Apfelweinschaumsoße servieren.

 

Apfelweinschaumsoße

1 l Apfelwein                                  Von 1 L Apfelwein eine Tasse voll abnehmen, den Rest in

1/2 Zimtstange                              einem ausreichend großen Topf heiß machen. Das

1 Beutel Vanillepudding               Vanillepuddingpulver mit dem Apfelwein aus der Tasse und

1 Ei,                                                 1 EL Vanillezucker glattrühren, wenn der Apfelwein kocht,

Eiweiß + Eigelb getrennt              in den Apfelwein einrühren, sodass eine sämige Masse ent-

1-2 Esslöffel Vanillezucker           steht. Ein wenig abkühlen lassen, dann zügig das Eigelb

                                                         einrühren, so dass es nicht ausflockt. Abschmecken, bei Bedarf               

                                                               mit Vanillezucker nachsüßen. Das Eiweiß steif schlagen und

                                                               vorsichtig unter die Soße schlagen, damit eine luftige, aber

                                                               nicht flockige Schaumsoße entsteht. Zu den Armen Rittern                                                                               servieren.

 

Dorfgeschichten

 

Palmesel

Der Palmsonntag war der einzige Sonntag im Jahr, an dem man Langschläfer nicht mit rufen, rütteln und Decke-wegziehen aus dem Bett werfen musste. Da waren selbst die jüngsten Kinder ganz früh aus den Federn, schon frisch gewaschen und angezogen. Die Eltern waren noch früher aufgestanden, denn sie hatten eine wichtige Aufgabe: sie mussten genau aufpassen, wer zuletzt aufgestanden war.  Der- oder diejenige war nämlich dann der "Palmesel", wurde gehänselt und verlacht, wegen Langschläferei und wurde den Titel die ganze Karwoche über nicht mehr los. Auch ich war einmal der Palmesel. Aber auch ein schlaues, durchtriebenes Kind. Wenn mir die ganze Hänselei zu viel wurde, wehrte ich mich mit dem Argument:  "Das ist ein ganz lieber Esel, denn auf dem ist ja der Jesus am Palmsonntag nach Jerusalem geritten! Das ist ein heiliger Esel!" Schon waren die Spötter stumm und ich war ein "heiliger Esel".

 

Segensreiche Eier

Meine Großmutter lebte auf dem Land und hatte Hühner.  In den letzten 2 Wochen vor dem Osterfest wurden die Eier nicht im Haushalt verwendet, sondern an einem kühlen Ort gesammelt, um sie für Ostern zu kochen und bunt zu färben. Jeden Morgen sammelte Oma die Eier im Hühnerstall ein. Zwei Eier waren dabei besonders wichtig: das Gründonnerstagsei und das Karfreitagsei. Oma schrieb mit Kopierstift in ihrer schönen Sütterlin-Schrift "Gründonnerstag" und "Karfreitag" auf diese Eier. Sie wurden genauso wie alle anderen Eier zu Ostereiern gefärbt. Verschenkt wurden sie entweder an Personen, die ein schwieriges Jahr hinter sich hatten, oder als besondere Auszeichung an ein Familienmitglied, denn diesen Eiern wohnte ein besonderer Segen inne, glaubten die Dorfleute. Wenn eines von uns Kindern ein solches Ei in seinem Nest fand, freuten wir uns sehr darüber.

 

Glockenurlaub

In der Karwoche verstummten die Glocken. Es gab keinen Stundenschlag und nicht das gewohnte Läuten um 6 Uhr morgens, 12 Uhr mittags und 6 Uhr am Abend. Wenn die Kinder fragten, warum es so still war, bekamen sie die Antwort: "die Glocken sind fort!"  Aber wohin sind die Glocken?" fragten die Kinder. Die Erwachsenen erklärten es: "Die Glocken sind nach Rom geflogen, weil bald Ostern ist. Dort können sie ausruhen, sie werden geputzt, bis sie wieder glänzen, in der Osternacht kommen sie zurückgeflogen und am Ostermorgen läuten sie doppelt schön und laut, weil sie sich mit uns freuen, dass Jesus auferstanden ist."

Wir Kinder fanden es richtig, dass die Glocken auch mal Urlaub hatten.

Ratschkästen, Klappern und eifrige Messdiener

Städtern und jüngeren Leuten muss man erklären, was das ist: Ein Ratschkasten! Ein Ratschkasten ist eine große Holzkiste mit einem Trageriemen. Die Kiste hat eine Drehorgelgriff, der die hölzernen Zungen oder Räder im Inneren der Kiste bewegt.  Das macht einen großen, dumpfen, weithin hörbaren Lärm. Klappern haben die gleiche Aufgabe. Auch sie sind aus Holz und ähneln überdimensionalen Fastnachtsklappern.

Weil die Glocken stumm waren, wussten die Bauern nicht mehr, wann sie beten, aufs Feld gehen oder vom Feld nach Hause kommen mussten. Diese wichtige Zeitansage wurde von den älteren Messdienern übernommen, welche die Ratschkästen und Klappern bedienten.

Dazu riefen sie den traditionellen Spruch:

 

Wir klappern das Ave-Maria       - zu Ehren der Jungfrau Maria

Den englischen Gruß                     - den englischen Gruß

Den jeder Christ dreimal beten muss.

 

Die Messdiener waren für verschiedene Straßen und Gegenden des Dorfes eingeteilt. Für sie war es eine Auszeichnung, die "Ratschenkinder" zu sein. Es gab damals viele Messdiener, aber wenige Ratschkästen. Der Pfarrer musste diejenigen trösten, die diesmal keinen Dienst mit Ratsche oder Klappern hatten. Er versprach, dass sie ganz bestimmt nächstes Jahr dabei wären. Und ich denke darüber nach, was die Leute heut dazu sagen würden, wenn ihnen dreimal täglich erzählt würde, dass sie "beten müssen".

Lackschuhe

In den letzten Wochen vor Ostern fieberten alle kleinen Mädchen der Schule dem Gang zu den örtlichen Schuhläden entgegen. Man war über Herbst und Winter gewachsen und brauchte neue Schuhe für den Frühling. Es mussten Lackschuhe sein!  Zu Ostern konnte man nur mit neuen Lackschuhen in die Kirche gehen! Das war unter den Mädchen ein ungeschriebenes Gesetz. Enttäuscht waren jene, die nicht schnell genug gewachsen waren und denen die Schuhe, die vergangenes Osterfest schon etwas "auf Vorrat" gekauft wurden, noch passten.

Heimlicher Traum aller anderen waren weiße Lackschuhe!  Aber es gab immer nur Schwarze! Doch einmal im Leben jedes kleinen Mädchens wurden Träume erfüllt: Im Jahr der Erstkommunion bekamen wir weiße Lackschuhe!

 

Das Grab Christi

Die Kirche meiner Kindheit war eine helle, freundliche, goldverzierte Barockkirche mit schönen Seitenaltären. Beim rechten Seitenaltar ließ sich der Sockel in ganzer Breite öffnen. Hier lag Karfreitag, auf violettem Tuch und viel Buchs und Palmzweigen, das große Kreuz mit Jesu Corpus feierlich aufgebahrt. Dies machte den Karfreitags-Gottesdienst besonders eindrucksvoll.

 

Auferstehung  

Am Ostermorgen läuteten die lang verstummten Glocken wieder. Die ganze Gemeinde drängte in den besten Sonntagskleidern in die Kirche. Das violett der Fastenzeit war verschwunden, die Gewänder der Messdiener und Zelebranten prangten in Weiß, Creme und Gold.

Unterstützt von der triumphierend spielenden Orgel jubelten alle Gemeindemitglieder: "Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden." Und alle konnten sehen: das Grab im rechten Seitenaltar war leer, das Kreuz hing wieder an seinem gewohnten Platz.

 

 

Familien – Osterferien

 

Osterurlaub

Mit den Enkeln verreisen, das machen Großeltern gerne. Osterferien in Oberbayern in einer kleinen Ferienwohnung, das ist für beide Teile, Enkel und Großeltern, der absolute Hit! Noch dazu, wenn da Schnee liegt, wenn man Freunde findet, mit denen man spielen kann und wenn die Großeltern dort auch Freunde haben, die die ganze Rasselbande zu Kakao / Kaffee und Kuchen einladen.

 

Kirche ist langweilig

Oma und Opa zuliebe gehen wir im Osterurlaub mit in die Kirche, auch wenn's lang dauert und langweilig ist. Auferstehungsgottesdienst, spät am Abend. O.K. alles ist besser als Bett. Am Seitenaltar ist vorne ein leeres Loch, von diesem behaupten die Erwachsenen, das wäre das leere Grab von Jesus. Darüber ist eine seltsame Vorrichtung aufgebaut, reichlich mit Buchs und Osterglocken herausgeputzt, wie auf dem Friedhof. Und dann singen alle:

"Das ist der Tag, den Gott gemacht" (na ja, hat der nicht jeden Tag gemacht? denk ich mir) und weiter geht's mit: "Der Freud in alle Welt gebracht! Es freu sich was sich freuen kann, denn Wunder hat der Herr getan".

Aber dann geht's rund: die zweite Strophe beginnt mit "Verklärt ist alles Leid der Welt" und schon ist Action in der Kirche: langsam steigen hinter dem "Grab Christi" große, bunte, beleuchtete Glaskugeln aus den Osterglocken auf. Sie sehen aus wie ein Regenbogen.  Das ist so lustig, dass wir kichern müssen.

In der Predigt erklärt der Pfarrer die bunten Glaskugeln tatsächlich zum Regenbogen. Damit wir uns erinnern, dass Gott nach der Sintflut zum Zeichen, dass er uns alle immer und ewig liebt, einen großen Regenbogen an den Himmel gesetzt hat. Und zum Schluss seiner Predigt erzählt der Pfarrer sogar noch einen Witz. Die ganze Kirche lacht laut und herzlich. Die Einheimischen sagen, das mit dem Witz in der Predigt ist eine Tradition. Sie heißt "Osterlachen", weil man lachen und sich freuen soll, dass Jesus auferstanden ist. Und wir Kinder wissen jetzt: Kirche kann auch lustig sein. Sogar wenn's mal länger dauert.

 

Agathe? och nee!

Nach dem Gottesdienst sind wir von den Freunden von Oma und Opa zur Agathe eingeladen.

Agathe? So'n altmodischer Name, das ist bestimmt eine uralte strenge Tante. Falsch! ganz falsch! erklärt mir Freddy, der Freund von Opa. Das heißt Agape und meint Liebesmahl. Na gut, wenn's was zu essen gibt, geh'n wir gerne mit. Es gibt Wein und Bier, für uns Kinder gibt's Malzbier und Limo. Dann wird ein gebackenes Osterlamm aus Biskuitteig angeschnitten. Es schmeckt lecker mit Butter und Marmelade. Es gibt auch noch Osterschinken, frisches Brot, Salz und Ostereier. Das war alles mit in der Kirche und ist dort gesegnet worden. Ostereier essen wir gerne. "Aber die Eier sind ja alle schon kaputt" sagt mein Bruder. Freddy lacht: "das muss so sein, die Eier waren in der Kirche zum Segnen, da schlagen wir sie vorher an der Spitze auf, damit der Segen hineinfindet". "Gesegnete Mahlzeit" kräht meine Schwester. Und alle lachen.

 

Gibt es den Osterhasen? So'n Quatsch!

Die Eiersuche in der kleinen Ferienwohnung haben die Kinder vormittags brav mitgemacht, immer mit kleinen Bemerkungen, die uns wissen ließen, dass sie stark vermuten, dass wir Erwachsenen die "Osterhasen" spielen und dass es so ein Tier nicht wirklich gibt. Aber für Naschkram, Federballspiele, Tennisschläger und bunte Ostereier, machen sie "den Alten" die Freude.

 

Am späten Nachmittag gehen wir nach einem Spaziergang durch verschneite Feldwege zurück in die gemütliche Ferienwohnung. Das mittlere unserer Enkelkinder springt wie immer vorweg. Es kennt ja den Weg. Auf einmal: ein Schrei! Wildes Geheule und Rumgehüpfe! Was ist passiert?  Im Geiste sehen wir schon: Loch im Kopf und Krankenhaus. Wir rennen. Da steht ein strahlendes Enkelkind, ein buntes Ei in der Hand, vor Freude jubelnd: "Es gibt ihn, es gibt ihn wirklich! das war der echte Osterhase, der hat hier auf seinem Weg im Schnee ein Ei verloren", das hat kein Opa, keine Oma, und sonst niemand versteckt! Das war ganz wirklich der einzige, der wahre, der richtige Osterhase". Alle sind glücklich über diese Erkenntnis. Und wir danken dem unbekannten Schusselchen, dem das bunte Ei aus seinem Osterkörbchen gefallen ist.